Frankfurt am Main (pressrelations) -
EU-Kommission untersagt Zusammenschluss von Deutsche Börse und NYSE Euronext
Deutsche Börse erzielt deutliche Ergebnissteigerung in 2011/ Unternehmen setzt auf Wachstum aus eigener Kraft/ Wichtige Weichenstellungen fĂŒr weiteres Wachstum bereits erfolgt
Die EU-Kommission hat heute mitgeteilt, dass sie den angestrebten Zusammenschluss von Deutsche Börse AG und NYSE Euronext untersagt, weil sie diesen unter Zugrundelegung ihrer Marktabgrenzung im Bereich des Derivatehandels fĂŒr wettbewerbsrechtlich unzulĂ€ssig erachtet.
Die Deutsche Börse AG nimmt diese Entscheidung mit EnttÀuschung zur Kenntnis.
Dazu der Vorstand der Deutsche Börse AG: "Dies ist ein schwarzer Tag fĂŒr Europa und seine zukĂŒnftige WettbewerbsfĂ€higkeit auf den weltweiten FinanzmĂ€rkten.
Die Entscheidung der EU-Kommission basiert auf einer realitĂ€tsfremden verengten Marktdefinition, die der globalen Natur des Wettbewerbs im Derivatemarkt nicht gerecht wird. Zudem wird der auĂerbörsliche (OTC-) Derivatemarkt als der gröĂte Teil des Marktes komplett ausgegrenzt. Wir halten die Entscheidung daher fĂŒr falsch. Sie ist inkonsistent und steht im Widerspruch zu dem gleichzeitig von der Kommission verfolgten Ziel zur Ausweitung der Finanzmarktregulierung auf den OTC-Derivatemarkt. Die Entscheidung der EU-Kommission steht auch im Gegensatz zu der in den USA bereits im Jahr 2007 vorgenommenen Beurteilung des Derivatemarkts. Dort durften sich die beiden Chicagoer Unternehmen CME und CBOT zu der gröĂten global agierenden Derivatebörse zusammenschlieĂen."
Reto Francioni, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, ergÀnzte:
"Durch die Untersagung des Fusionsvorhabens wird die Schaffung einer in Europa beheimateten und global wettbewerbsfĂ€higen Börsengruppe verhindert. Der fusionierte Börsenkonzern wĂ€re der ideale Partner der europĂ€ischen Regulierungsbehörden gewesen, um die Verwirklichung standardisierter, transparenter und stabiler MĂ€rkte in Europa und weltweit zu unterstĂŒtzen.
Die Deutsche Börse ist gut gerĂŒstet und hat genĂŒgend Kraft, um auch ohne die Fusion weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein. Sie wird sich als Partner der Politik weiterhin fĂŒr die StabilitĂ€t und IntegritĂ€t von MĂ€rkten einsetzen.
FĂŒr unser Wachstum haben wir mit dem verbindlichen Vertrag ĂŒber den Erwerb von 100 Prozent der Anteile an Eurex bereits 2011 wichtige Weichen gestellt. Als eine der weltweit fĂŒhrenden Börsengruppen mit einem integrierten GeschĂ€ftsmodell, das uns von vielen unserer Wettbewerber unterscheidet, sind wir auch international hervorragend positioniert und erfahren Zuspruch aus dem Kapitalmarkt. Im Namen des gesamten Vorstands danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den vergangenen zwölf Monaten mit gröĂtem Einsatz daran gearbeitet haben, den Zusammenschluss zu verwirklichen."
Der Vorstand hat dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats zugesichert, die gewĂŒnschte KontinuitĂ€t sicherzustellen und das Unternehmen auch vor dem Hintergrund der Untersagung durch die EU Kommission weiterzuentwickeln.
EU-Entscheidung im Gegensatz zur Zustimmung anderer Behörden Die Entscheidung der EU-Kommission steht im Gegensatz zu der bereits erfolgten Zustimmung vieler anderer wichtiger Regulatoren: In Deutschland hatte bereits die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugestimmt, in Luxemburg die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF), in den USA das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) sowie das US-Justizministerium (DOJ) und die US-Börsenaufsicht SEC. Um die Genehmigung der EU-Kommission trotz der aus Sicht beider Unternehmen fehlerhaften Marktabgrenzung zu erlangen, hatten die Deutsche Börse AG und die NYSE Euronext ĂŒberdies umfangreiche ZugestĂ€ndnisse angeboten, soweit es wirtschaftlich vertretbar war. Die AktionĂ€re beider Gesellschaften hatten das Fusionsvorhaben mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit unterstĂŒtzt.
Deutsche Börse erzielt deutliche Ergebnissteigerung in 2011 und wird Wachstumsstrategie aus eigener Kraft fortfĂŒhren Die Deutsche Börse hat im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr 2011 entsprechend der Markterwartungen eine solide Steigerung des Umsatzes gegenĂŒber 2010 erzielt.
Bei Investitionen von rund EUR 120 Millionen in den weiteren Ausbau des KerngeschĂ€fts, sowie rund EUR 80 Millionen Projektaufwand in 2011 fĂŒr die Umsetzung der angestrebten Fusion erzielte die Deutsche Börse auch nach Bereinigung um Sondereffekte in 2010 einen deutlichen Ergebnisanstieg gegenĂŒber dem Vorjahr. Damit hat sich die positive GeschĂ€ftsentwicklung der ersten neun Monate auch im Schlussquartal fortgesetzt. Die vorlĂ€ufigen Zahlen fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2011 werden planmĂ€Ăig am 13. Februar veröffentlicht und im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am 14. Februar erlĂ€utert.
Die Deutsche Börse Gruppe wird ihre Wachstumsstrategie geographisch und auf Produktebene fortsetzen und ihr integriertes GeschĂ€ftsmodell kontinuierlich weiter ausbauen. FĂŒr 2012 erwartet die Gesellschaft daher eine Fortsetzung des Wachstumstrends der letzten drei Jahre.
Dazu sagte Reto Francioni: "Mit dem GeschĂ€ftsjahr 2012 verbinden wir positive Wachstumserwartungen fĂŒr die Deutsche Börse AG. Diese EinschĂ€tzung basiert auf der Annahme, dass die Euro-Zone den bereits eingeschlagenen Weg zur Stabilisierung konsequent fortfĂŒhrt. Dazu wird auch der Vollzug des Erwerbs des 15-prozentigen Anteils der SIX Group an der Eurex in 2012, der auch ohne den Zusammenschluss mit der NYSE Euronext vollzogen wird, mit rund EUR 100 Millionen Umsatz beitragen."
Weitere Ăberlegungen und Einzelheiten zur GeschĂ€ftsentwicklung in 2012 inklusive AusschĂŒttungen an AktionĂ€re wird der Vorstand in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat mit Vorlage der vorlĂ€ufigen Zahlen fĂŒr 2011 anlĂ€sslich der Bilanzpressekonferenz am 14. Februar vortragen.
Reto Francioni fĂŒgte abschlieĂend hinzu: "Auch im Namen meiner Kollegen im Vorstand danke ich allen Beteiligten, die in den vergangenen zwölf Monaten mit gröĂtem Einsatz daran gearbeitet haben, den Zusammenschluss zu verwirklichen.
Ich danke auch unseren AktionĂ€ren, die uns mit ihrer nahezu einhelligen Zustimmung zu dem Zusammenschluss in hervorragender Weise unterstĂŒtzt haben.
Den Kollegen der NYSE Euronext danken wir fĂŒr die partnerschaftliche Zusammenarbeit."
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